„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Ludwig Wittgenstein, einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, hat diesen Satz bereits 1921 niedergeschrieben. Es wurde eines der prägendsten Zitate der modernen Sprachphilosophie. Übertragen auf die IT-Welt der öffentlichen Hand bedeutet das: Wenn Verwaltungssysteme keine gemeinsame Sprache sprechen, bleibt ihre digitale Welt isoliert, weil Daten in Silos feststecken und Systeme nicht miteinander kommunizieren können.
Einheitlichkeit statt Zersplitterung
Der Schlüssel zu einer effizienten Verwaltung liegt also nicht in immer neuen, singulären Software-Lösungen, sondern in konsequenter Standardisierung. Gerade in der deutschen Verwaltungsdigitalisierung sind IT-Standards die Voraussetzung für die Überwindung der historisch gewachsenen, föderal bedingten Zersplitterung der Behörden-IT. Bislang arbeiten die Behörden von Bund, 16 Ländern und über 11.000 Kommunen meist mit unterschiedlichen IT-Systemen, die sich nach den jeweiligen Anforderungen und Budgets der Institutionen richten. Standards sorgen dafür, dass diese Systeme zusammenarbeiten können und der Austausch von Daten sicher und reibungslos funktioniert.
Standardisierung im Public Sector
Um den Wert der Standardisierung für die öffentliche Verwaltung zu verstehen, hilft ein Blick auf die Definition. Im klassischen Sinne versteht man unter Standardisierung die Vereinheitlichung von Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren auf nationaler oder internationaler Ebene. Dabei geht es insbesondere um gemeinsame Regeln, Richtlinien oder Merkmale, die der Sicherheit und der Qualitätsverbesserung dienen. Im Kontext der Digitalisierung wird dieser Begriff erheblich weiter gefasst. Hier bedeutet Standardisierung das Schaffen von gemeinsamen technologischen Spezifikationen für Daten, Prozesse und IT-Architekturen.
Diese gemeinsamen Spielregeln werden für drei unterschiedliche IT-Segmente benötigt. Bei der Datenstandardisierung geht es darum, einheitliche Datenformate und Semantiken festzulegen. Mit Standards wie dem in der Verwaltung üblichen XML wird sichergestellt, dass ein Name, eine Adresse oder ein Datum in jedem System exakt gleich interpretiert werden. Die Prozessstandardisierung zielt auf die Vereinheitlichung von Abläufen ab. In diesem Zuge wird auch die Effizienz der Prozesse untersucht und bei Bedarf optimiert. Dieses Vorgehen verhindert, dass ein ineffizienter analoger Prozess zu einem ineffizienten digitalen Prozess wird. Die technische Standardisierung schließlich fokussiert sich auf die Definition von offenen Schnittstellen. Hier schaffen Application Programming Interfaces (kurz: APIs) die Voraussetzung, dass die verschiedenen Softwareanwendungen sowohl medienbruchfrei als auch barrierefrei miteinander kommunizieren können.
Kernvorteile für die Verwaltung
Warum ist dieser Schritt für moderne öffentliche Verwaltungen so elementar? Die Antwort liegt in den Vorteilen, die standardisierte IT-Strukturen sowohl für die internen Abläufe als auch für den Service am Bürger bringen: