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Von Daten, Informationen und Filterblasen

In der IT wird – der Name ist Programm – viel zu Informationen und deren Verarbeitung geforscht, geredet und entwickelt. Informationen ergeben sich aus Daten und dem Kontext, in dem sie verarbeitet werden. So lässt sich aus einer Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit eine Information über das Wetter gewinnen – oder über die korrekte Lagerung von Waren. Je nach Zusammenhang. Dadurch können Daten Sachverhalte untermauern und Fakten schaffen.

Doch nur weil Daten vorliegen und die enthaltenen Informationen offensichtlich scheinen, heißt das nicht, dass entsprechende Fakten allgemein anerkannt oder als bedeutend erachtet werden. Emotionen und Meinungen zählen mehr. Nicht umsonst wurde „postfaktisch“ 2016 zum deutschen „Wort des Jahres“ gekürt und bewegt der Umgang mit „Fakenews“ die Gemüter.

Auch das eigene Weltbild hängt von den Daten ab, die man an sich heran lässt. Wenn Daten ausgeblendet und Fakten ignoriert werden oder durch „alternative Fakten“ ersetzt, kann sich die Meinung nur auf die wahrgenommenen Informationen begründen. Einen solchen Daten- und Informationsfilter hat jeder Mensch, der entscheidet, welche Informationsquellen er nutzt oder eben nicht. So schafft sich jeder seine Gedankenwelt selbst. Könnte man meinen. Denn die „Filterblase“, die uns umgibt, ist nur bedingt selbst gestaltet. Viele Filtermechanismen unterliegen nicht unserer eigenen Kontrolle. Die Diskussionen um die Rolle der Medien und der sozialen Netzwerke im Zusammenhang mit den amerikanischen Präsidentschaftswahlen führen vor Augen, wie groß der Einfluss von weit gestreuten und vor allem gezielt adressierten – personalisierten – Informationen sein kann. Unabhängig von der Frage, ob soziale Medien oder maßgeschneiderte Werbekampagnen eine Wahl entscheiden können, wird deutlich, dass neben Daten auch individuelle Meinungen und Verhaltensweisen zu Waren der Informationsgesellschaft werden.

Filterblasen sind keine neue Erfindung. Ihre in den Online-Medien digitalisierte Form ist im Kern auch nichts anderes als selbstbestätigende Kreise: Sportfans diskutieren die Mannschaftleistung lieber mit Gleichgesinnten, zu Vorträgen und Diskussionen über Umwelt-, Wirtschafts- und andere Themen kommen eher diejenigen, die schon eine gewisse Affinität dazu haben, als die, die „es eigentlich nötig hätten“, und die gute alte Zeitung wählt man auch eher so, dass man liest, was man lesen möchte.

Doch zwischen den Filterblasen der digitalisierten Welt und den eher traditionellen Mechanismen der Meinungsbildung gibt es einen wesentlichen Unterschied. Auch wenn wir uns unsere elektronischen Informationsquellen selbstständig zusammenstellen, ist es hier doch recht einfach, auf gezielt gestreute (Des-)Informationen zu stoßen. Kommentare, Empfehlungen, „ge-likte“ Beiträge und personalisierte Nachrichten massenweise zu verteilen ist HALT wesentlich einfacher, als eine Botschaft in einer etablierten Diskussionsrunde oder durch einen Leserbrief in Printmedien zu platzieren.

Einmal mehr zeigt sich, dass die Segnungen der Digitalisierung auch neue Herausforderungen mit sich bringen: kritisch zu bleiben, Offensichtliches zu hinterfragen und Informationen zu überprüfen.

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