Von der Lochkarte zur Cloud

50 Jahre HZD sind natürlich auch 50 Jahre Rechenzentrum. Unzählige Lochkarten, langjährige Vorherrschaft von Big Blue, Kassenschlager IBM /360, Preishammer Amdahl, umwälzende Neuerungen wie Server, Virtualisierung und Cloud.

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HZD-Maschinensaal: Lange ist´s her
HZD-Maschinensaal: Lange ist´s her

1970 begann die HZD mit drei IBM 1401-Systemen mit zusammen 400 KB. Für diese 400 KB brauchte man sage und schreibe (einschließlich der umfangreichen Peripherie) 800 Quadratmeter Stellfläche. 1971 hielt das IBM-System /360 in der HZD Einzug, die Zahl dieser Systeme wuchs auf vier an. Noch immer war Datenverarbeitung auch Handarbeit. Es galt, der Flut von Lochkarten Herr zu werden, die damals die Arbeit im Rechenzentrum bestimmten.

Maschinensteckbrief IBM 1401: Die IBM 1401 kam 1959 auf den Markt. Erstes mit Transistoren ausgestattetes DV-System. Diskrete Technik mit Transistoren, Widerständen, Dioden und Kondensatoren auf einer gedruckten Schaltung. Ferritkernspeicher.

So prägend die Lochkarte in den Anfangszeiten für das HZD-Rechenzentrum war, so bestimmend war auch ein Unternehmen für die Datenverarbeitung dieser Zeit: IBM, weltweit und natürlich auch in der HZD. Ein Rechenzentrum war damals einfach blau (Mother Big Blue). Von IBM selbst stammt der Ausspruch: „Der Markt sind wir.“
Zum System IBM /360 gehörten Lochkartenleser, Lochkartenstanzer, Drucker, Bandeinheiten, Wechselplatten und schlappe 128 KB Hauptspeicher. Lachhaft – aus heutiger Sicht. In der HZD stand u.a. die IBM /360-50. Legendär ob ihrer nächtlichen Testzeiten für Programmentwickler.

Maschinensteckbrief IBM /360: Die /360 hat die IT-Landschaft stark verändert, als sie am 7. April 1964 weltweit vorgestellt wurde. Bis dato wurden Computer entweder für kaufmännische oder naturwissenschaftlich-technische Anwendungen entwickelt. Die /360 wollte mehr: Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sollten die Systeme gleichermaßen nutzen. 360 stand für den vollen Kreis der Anwender. Die Nachfrage war so groß, dass IBM mit der Produktion kaum nachkam. Das Modell 50 (1965) verfügte über 128 KB. Eine solche Maschine stand wohl auch in der HZD. Die /360 im Überblick: 8 Bit Zeichengröße, EBCDIC-Code, binäre Adressierung, Betriebssystem TOS/360 (ohne Festplatte, DOS/360 – kleinere Installationen; OS/360 – größere Installationen)

1975/76 setzten sich dann die Laserdrucker durch. Umstellungen testeten die HZD-Systemprogrammierer im Stuttgarter Rechenzentrum der IBM. Ein ehemaliger Bereichsleiter erinnert sich, dass sie das Betriebssystem auf einer Wechselplatte in den Kofferraum packten und in die Schwaben-Metropole fuhren. Dort durften sie nachts von 2:00 bis 4:00 Uhr testen. Anschließend ging es wieder zurück nach Wiesbaden

Die HZD ging über die gesamten 1970er Jahre den Weg gemeinsam mit dem Marktführer IBM, und folglich zog auch die Serie /370 ins Rechenzentrum ein.In der HZD stand die erste /370 schon 1972.

Maschinensteckbrief IBM /370: Die /370-Serie war eine evolutionäre Weiterentwicklung der /360. Sie leitete den Trend zur Mikrominiaturisierung, zu großen Datenspeichern und höheren Rechengeschwindigkeiten ein. Die Nachfrage war so stark, dass sich die Kunden in eine zweijährige Warteliste eintrugen. Im Jahr 1970 kamen zunächst die Modelle 145, 155, 165 und 195 auf den Markt.

Ein großer Vorteil lag in der Virtualisierung des Adressraums. Das führte zu enormen Kosteneinsparungen, denn Hauptspeicher war Mangelware – und entsprechend teuer. Ein Assemblerprogramm durfte nicht größer als 4.096 Byte sein. In der /370-Phase erfolgte auch die Umstellung auf TSO-Bildschirmarbeit. 1973 standen weitere Neuerungen an. Das Datenbanksystem ADABAS hielt Einzug und der legendäre „Kaninchenstall“, die IBM-Platteneinheit 2319. 1975 musterte man in der HZD das /360-System aus. Bei der Hardware setzte man nun verstärkt auf Miete statt auf Kauf. 1978 kam das Betriebssystem MVS zum Einsatz.

In erster Linie führten die Preise 1982 in der HZD zum Zwei-Hersteller-Prinzip. Neben der IBM- kam eine Amdahl-Maschine ins Haus.

Maschinensteckbrief Amdahl: Gegründet von Gene Amdahl, vormals Chefarchitekt bei IBM und hier auch für die /360 verantwortlich. Amdahl war mit seinen Produkten der IBM vor allem preislich voraus

Es gab nun zwar zwei getrennte Systeme, die aber unter dem gleichen Betriebssystem liefen und auch auf die jeweils andere Peripherie zugreifen konnten. 1983 stand der erste PC in der HZD. Damals noch eine sündhaft teure Angelegenheit: Ein PC mit 64 KB und 10 MB Festplatte kostete stolze 25.000 DM. 1991 waren IBM (Modell 3090-150) und Amdahl (Modell 5880) noch immer nebeneinander im HZD-Rechenzentrum vertreten, wurden dann durch die IBM 3090-200 ersetzt. Ab 1993 legte man die Daten auf dem Kassettenroboter ab, und 1993 wurde aus dem Drucker eine Druckstraße. 1997 kam die neue Amdahl-Zentraleinheit ins Haus. Ihre Leistung maß man in MIPS: 170 Rechenoperationen pro Sekunde.

2000 wurde ein neuer Name in der HZD geläufig. Der Comparex-Rechner C2000/726 setzte auf die moderne CMOS-Technologie. Und noch etwas wurde von einer Neuheit zur Selbstverständlichkeit: die Servertechnik. In diesem Jahr zählte die HZD-Serverfarm schon 54 Maschinen. Zum Vergleich: Anfang 2010 werden dort rund 2.200 Systeme betrieben.

Das erste Jahrzehnt der 2000’er Jahre war zudem geprägt von leistungsstarken Unix-Maschinen. Mit der Einführung der neuen Verwaltungssteuerung (NVS) kamen HP-UX Server für die SAP-Anwendung in die HZD. Dieselbe Technologie wurde auch für POLAS genutzt, so entstand im Zechenzentrum eine umfangreiche Unix-Serverfarm.

Maschinensteckbrief HP N4000 (rp7410): 10 HE großer Rackserver mit 1-8 Prozessoren des Typs PA-RISC und bis zu 64 GB Hauptspeicher. Die Maschine konnte in logische Partitionen aufgeteilt werden.

Neben HP-UX-Servern wurden auch etliche SUN Solaris-Maschinen eingesetzt, hauptsächlich im Bereich der Geodaten-Verfahren. Der große Speicherbedarf wurde durch SAN Speichertechnologie bedient, sodass schnell zu den vielen Unix-Racks etliche Racks mit zentralen Festplatteneinheiten dazukamen. Die wichtigste technische Neuerung in der Rechenzentrums-Infrastruktur der vergangenen 15 Jahre war die Servervirtualisierung. Sie hat den Weg vom Hardware-zentrierten Rechenzentrum zum zukünftigem „Software-Defined-Datacenter“ bereitet.

Maschinensteckbrief Dell PowerEdge R830 (und ähnliche): 2-HE große Server mit 1-2 Intel-Xeon CPU-Sockeln mit z. B. 8-16 Core und 512 GB RAM. Gesamtzahl Virtualisierungsserver > 1500

2007 fing die HZD damit an, in geringem Umfang virtuelle Maschinen für Produktionssysteme zu nutzen. 2012 befanden sich über 1.000 virtuelle Maschinen auf der zentralen Plattform.

Aktuell und zukunftsgerichtet: Um den Anforderungen heute und auch morgen gerecht zu werden, hat die HZD im Rahmen des Programms „24x7 Hochverfügbarkeit“ die Produktentwicklung der Verfahrenscloud Hessen gestartet - das neue Herz, das in den Rechenzentrumsräumen der HZD schlägt.

Quelle: HZD Bericht über das Geschäftsjahr 2009 (Erschienen: Juli 2010)