Mehr als „nur“ die komplette Justiz-IT

Am 1. Juni 1990 eröffnete die HZD ihre Außenstelle in Hünfeld, der offiziellen Konrad-Zuse-Stadt. Heute betreuen die rund 190 HZD-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter von hier aus u.a. die komplette IT der Justiz in enger Zusammenarbeit mit der „Schwesterorganisation“, der IT-Stelle der hessischen Justiz in Bad Vilbel. Ein (Rück-)Blick auf drei Dekaden HZD-Hünfeld und eine kurze Vorstellung der zentralen Services und Verfahren, die in und von der Außenstelle betrieben werden.

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30 Jahre HZD-Außenstelle Hünfeld

Genau 30 Jahre ist es her, dass die HZD ihre Außenstelle in Hünfeld einweihte. Am 1. Juni 1990 bezogen planmäßig zehn Kolleginnen und Kollegen ihre neuen Büros in der osthessischen Stadt – zunächst im alten Landratsamt, einige Monate später erfolgte der Umzug zum Großenbacher Tor 1. Ausschlaggebend war die Nähe zum zentralen hessischen Mahngericht, das in Hünfeld angesiedelt war (und immer noch ist) und über welches das automatisierte Mahnverfahren AUMAV abgewickelt wurde.

Frank Werner war „Mann der ersten Stunde“. Zusammen mit Karl-Heinz Uhlemann koordinierte er den Aufbau der Außenstelle und leitete selbige die ersten 22 Jahre lang. „Die Außenstelle Hünfeld zeigt modellhaft auf, wie IT-Dienstleistungen einerseits individuell für ein Ressort, andererseits aber auch standardisiert und wirtschaftlich erbracht werden können“, so Frank Werner anlässlich des 25-jährigen Jubiläums im Jahr 2015.

Landeseigenes Gebäude in der Mackenzeller Straße

Als 1999 die hessische Justiz das Elektronische Grundbuch einführen und darüber hinaus ihren gesamten Geschäftsbereich modernisieren wollte, war es auch für die Außenstelle an der Zeit, größer zu denken. Innerhalb eines Jahres entstand ein landeseigenes Gebäude in der Mackenzeller Straße, das der gestiegenen Anzahl an Mitarbeitenden ebenso Platz bot wie einem Hochsicherheitsbereich mit Rechenzentrum; einige Jahre später kam auch das neue Druckzentrum hinzu. 1999 war darüber hinaus das Jahr, in dem der damalige Justizminister Dr. Christean Wagner die „Modernisierungsoffensive der hessischen Justiz“ startete.

Neustrukturierung und Modernisierung

Sie begann mit der Vollverkabelung aller Justizbehörden, einer IT-Vollausstattung, der Einführung zukunftsfähiger Justizfachanwendungen, dem Aufbau von Client/Server-Netzwerken einschließlich der erforderlichen Kommunikationsfunktionen und der flächendeckenden Einführung von Internetauftritten der Gerichte, Staatsanwaltschaften und Justizvollzugsanstalten mit einheitlichem Design. Diese Zusammenarbeit zwischen der Außenstelle in Hünfeld als Partner der hessischen Justiz ist im Laufe dieses Großprojektes kontinuierlich gewachsen und sehr vertrauensvoll geworden.

Neustrukturierungs- und Modernisierungsmaßnahmen bestimmten auch die Jahre ab 2010: Durch eine Umorganisation der HZD und die damit verbundene Neuverteilung der Aufgaben war in Hünfeld die Abteilung J – zuständig für die Belange der Justiz – entstanden ebenso wie Bereiche der Produktionsabteilung Rechenzentrum, der Zentralabteilung und später auch ein Teilbereich der Abteilung Kundenmanagement. Dies waren die Herausforderungen, denen sich Herbert Guder als neuer Leiter der Außenstelle Hünfeld ab 2012 widmete. In diese Zeit fällt auch die Errichtung der Informationstechnik-Stelle der hessischen Justiz (IT-Stelle in Bad Vilbel), wodurch sich die Zusammenarbeit teilweise neu regelte und erheblich intensivierte.

Herausforderungen nehmen zu

Seit einigen Jahren haben mit dem Aufbau des elektronischen Rechtsverkehrs die Herausforderungen an die HZD, speziell für die Abteilung J, sehr zugenommen. Der Fokus liegt insbesondere auf der Erfüllung der Vorgaben des Gesetzes zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs mit den Gerichten und erfordert enorme Kraftanstrengungen der Justiz und HZD. Um die Kräfte zu bündeln, hat sich Hessen 2013 mit Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu einer Kooperation zusammengeschlossen und den sogenannten e²-Verbund gegründet. Ein Verbund, in dem jedes Land seinen Erfahrungsschatz einbringt und so die hohen Aufwände zur Realisierung aller Anforderungen gemeinsam schultert. 2014 haben sich Sachsen-Anhalt, Bremen und das Saarland angeschlossen.

Schon einige Jahre zuvor hatte man sich in Hünfeld intensiv mit der Unterstützung von elektronischen Empfangs- und Versende-Prozessen für die Gerichte beschäftigt und dafür das Produktes ELEVATOR entwickelt. Die Weiterentwicklung zum Produkt „e²P“ ist heute der hessische Beitrag im e²-Verbund. Neben dem elektronischen Nachrichtenfluss beschäftigt sich die HZD in Hünfeld intensiv mit der technischen Realisierung einer elektronisch geführten Akte.

Mammutprojekt elektronischer Rechtsverkehr

Der elektronische Rechtsverkehr ist ein Mammutprojekt, das nicht nur die zentrale Herausforderung in der Amtszeit von Hans-Georg Ehrhardt-Gerst darstellt, der die Außenstelle sowie die Abteilung J seit 2015 leitet. Es wird auch in den kommenden Jahren darum gehen, die damit verbundenen Anforderungen mit den hohen Ansprüchen an IT-Sicherheit und Datenschutz in Konzeptionen zu vereinen, die Lösungen und Systemarchitekturen zu planen sowie die Anwendungen dafür zu erstellen und zu betreiben. Und mit der Gewinnung von IT-Fachkräften bzw. der gezielten Förderung des IT-Nachwuchses ist eine neue Aufgabe hinzugekommen: Seit 2019 kooperieren die HZD und die Hochschule Fulda mit dem dualen Studium der Angewandten Informatik. Die praktische Ausbildung der dual Studierenden findet erstmals ab dem Wintersemester 2020/21 am Standort Hünfeld statt.