Als die Daten laufen lernten

Die behördliche Datenverarbeitung in Hessen lief ab 1970 in organisatorisch geregelten Strukturen. In diesem Jahr trat das Gesetz zur Einrichtung des Hessischen DV-Verbundes in Kraft (für die jüngeren IT-ler: DV steht für Datenverarbeitung). Das war die Geburtsstunde der HZD und der fünf kommunalen Gebietsrechenzentren, kurz KGRZ genannt. Diese bezogen ihre Standorte in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel und Wiesbaden. Die HZD wurde ebenfalls in Wiesbaden heimisch.

Zitat 1970er

Es gab natürlich auch vorher schon DV-Aktivitäten in der Landesverwaltung, wie beispielsweise ein Rechenzentrum der hessischen Landesverwaltung, aus dem die HZD hervorging. 1980 erschien zum 10-jährigen Bestehen des DV-Verbundes eine „inform“-Sonderausgabe, die anschaulich und eindrucksvoll die ersten Jahre beschreibt. Kenntnisreich skizziert der damalige „inform“-Redakteur Walter Gollbach unter anderem die Vorgeschichte zur Entstehung des Verbundes. Die Leiter von HZD und KGRZ ziehen darin ein sehr positives Fazit der Gründerjahre. Und die damaligen Abteilungsleiter der HZD berichteten mit viel Begeisterung aus ihren Aufgabengebieten.

Es war eine Zeit des Aufbruchs. Nach dem Wirtschaftswunder hatte das Datenwunder die Hessen erfasst. Aus heutiger Sicht waren es „die wilden Jahre der DV“. Vieles lief noch unorganisiert ab: Strenge Regelungen kannte man kaum. Hierarchien waren äußerst flach. Was andererseits viel Raum für Kreativität ließ. Die IT war längst noch nicht so spezialisiert wie dies heute der Fall ist. Mitarbeiter waren Programmierer, Organisator und Kundenberater in einer Person. Sie waren in vielem auf sich gestellt, hatten andererseits aber ständige Treffen auf Bundesebene (Bund-Länder-Programmiergruppen).

Zitat 2 1970er

Programmiert wurde in Cobol und Assembler; etwas später kam PL 1 hinzu. Getestet wurde bis in die Nacht hinein. Um 1970 lösten die IBM 360-Systeme die ältere 1410-Serie ab. Die IBM war im Rechenzentrum allgegenwärtig. In den ersten zehn Jahren herrschte in der HZD eine völlig andere Stimmung als in der übrigen Landesverwaltung. Auch der Ton war ein anderer. Noch Direktor Dr. Karl war mit den meisten seiner Programmierer per Du. DV und Verwaltung waren zwei Welten. Erst Direktor Leonhard Ermer hat diese in gewisser Weise zusammengeführt.

Quelle: INFORM 1/2010

Schlaglichter 1970 – 1979

1970
Das hessische DV-Verbund-Gesetz tritt in Kraft. Die HZD startet mit 160 Bediensteten. Klaus Bresse wird erster Direktor der HZD.

1971
Die erste „inform“-Ausgabe erscheint. Im Rechenzentrum der HZD stehen vier IBM 360-Systeme.

1972
Die HZD bezieht ihr neues Gebäude in der Mainzer Straße 29. Das Zeichenzentrum wird eingerichtet. Die Datenschutzrichtlinie wird verabschiedet.

1973
Das Datenbank-System ADABAS zieht in der HZD ein.

1974
Die HZD führt bereits 518 Projekte durch. Der erste Geschäftsbericht der HZD wird veröffentlicht.

1975
Erstmals wird am Bildschirm programmiert (TSO). Ein neues Besoldungsverfahren kommt zum Einsatz. Die Hochbauverwaltung nimmt das Verfahren IDEAL in Betrieb.

1976
In der HZD installiert man den Planungsstab. Der Verbund führt DV-Leitsätze ein.

1977
Die Zuständigkeit für die HZD wechselt vom Finanz- zum Innenministerium.

1978
Auf dem Großrechner läuft nunmehr das Betriebssystem MVS. Das neue Wohngeldverfahren geht an den Start.

1979
Die HZD betreibt 360 DV-Verfahren. In der Entwicklung befinden sich 90 Projekte. Das Rechenzentrum verfügt nunmehr über zwei separate DV-Systeme.