Als der PC die HZD eroberte

Nach den ersten „wilden Jahren“ steuerte die HZD in ihrem zweiten Jahrzehnt in ruhigeres Fahrwasser. Man passte sich an und wurde mehr und mehr zu einer „normalen Verwaltung“, trotz eines Direktors Albrecht, den man – mit entsprechenden Erwartungen – aus der freien Wirtschaft verpflichtet hatte. Im Rechenzentrum vollzog sich eine Revolution. Die Landschaft war plötzlich nicht mehr nur blau – die Vorherrschaft von „Big Blue“ schmolz dahin und 1982 zogen erstmals Amdahl-Rechner ein.

Auch sonst tat sich in diesem Jahr einiges. Im Zuge der Novellierung des HZD-Gesetzes ging das Gesundheitswesen (Dominig II) an das KGRZ Gießen. Die HZD verlor mit Dr. Werner Schuster einen ihrer Visionäre. Am 1.1.1983 trat das novellierte DV-Verbundgesetz in Kraft. Die Produktion war nun entgeltpflichtig und die HZD setzte von da an die Kosten- und Leistungsrechnung ein. Was einen noch wesentlich größeren Wandel verursachte, wurde anfänglich belächelt und nicht ganz ernst genommen: Der PC. 1983 stand erstmals eine kleine weiße Kiste auf einem HZD-Schreibtisch.

Es gab zwar schon Mitarbeiter, die den Kleinstrechnern eine große Zukunft voraussagten, die überwältigende Mehrheit aber sah darin keine Konkurrenz für den Großrechner. Was sollten diese mickrigen Kisten gegen die allmächtigen Anlagen im Rechenzentrum ausrichten? Wie man sich täuschen kann. Dabei hat der PC quasi der HZD die Hoheit über die Datenverarbeitung im Land genommen. Plötzlich konnten die Kunden bei der IT fachkundig mitreden. Der Personal Computer hatte sie mündig gemacht. Irgendwann verstand jeder etwas von Datenverarbeitung. Die HZD musste sich anpassen und gab sich 1984 eine Benutzungsordnung.

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1985 wird erstmals eine Mittelfristige Unternehmensplanung erarbeitet. In den Achtzigern präsentierte sich das Haus zudem verstärkt auf Messen und Ausstellungen. Bei einer Ausstellung in der Polizeischule war man ebenso präsent wie auf der Baufachmesse ACS in Wiesbaden oder dem Hessentag. Und man war offen für Gäste. Finnische Straßenbaufachleute schauten sich ebenso in der HZD um wie Fachleute für Verkehr und Bauwesen aus Südostasien oder ein Vermesssungsteam aus Israel. Sogar eine Delegation aus der VR China war zu Gast.
1989 erfolgte die Umwandlung der HZD in einen Landesbetrieb (bisher Körperschaft des öffentlichen Rechts), alle Leistungen waren somit entgeltpflichtig (2. Novellierung des DV-Verbundgesetzes). Die Dienstaufsicht führte nunmehr der Hessische Innenminister.

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Die organisatorischen Veränderungen verliefen nicht immer lautlos. Die Ära Albrecht war geprägt durch heftige Auseinandersetzungen zwischen Personalrat und der Hausspitze. Mit dem neuen Direktor Leonhard Ermer hielt verstärkt betriebswirtschaftliches Denken Einzug. Hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Werkzeuge ist die HZD damit, so zumindest der damalige Innenminister Bökel, „zu einem Modellfall“ geworden.

Wie kaum ein anderer Direktor – bislang – hat Ermer die HZD geprägt. Er paarte technische Weiterentwicklung mit betriebswirtschaftlicher Ausrichtung und Einbettung in den Verwaltungsapparat. Nach den wilden Anfangsjahren und einer Phase großer Umwälzungen führte er die HZD in ruhigeres Fahrwasser. 

Quelle: INFORM 2/2010

Schlaglichter 1980 – 1989

1980
Dr. Hellmut Karl steht für knapp zwei Jahre der HZD vor.

1981
Hans Peter Albrecht wird neuer HZD-Direktor.

1982
Das Gesundheitswesen wechselt zum KGRZ Gießen.

1983
Der PC hält Einzug in der HZD.

1984
Die Benutzungsordnung der HZD tritt in Kraft.

1985
Die Mittelfristige Unternehmensplanung (MUP) wird eingeführt.

1986
Im HZD-Maschinensaal zieht die IBM 3090/150 ein.

1987
Die HZD hat in Ruth Hölzer eine Frauenbeauftragte.

1988
Einrichtung des Benutzer Service Zentrums (BSZ).

1989
Leonhard Ermer wird neuer Direktor.