Als aus Nutzern Kunden wurden

Die Zeit von 1990 bis 1999 kann man in der Geschichte der HZD getrost als die „Ära Ermer“ bezeichnen. Leonhard Ermer lenkte die Geschicke der Datenzentrale insgesamt von 1989 bis 2001 und er hat in dieser Zeit das Gesicht der HZD stark geprägt. Auf seine Initiative hin wurde die HZD zu einem Landesbetrieb umgewandelt und war damit für ihre Wirtschaftlichkeit eigenverantwortlich. Die HZD musste ihr Geld verdienen, ihre Leistungen waren nun entgeltpflichtig, es galt Gewinn- und Verlustrechnungen auszuweisen und Bilanzen vorzulegen.

In Zeiten, in denen der Staat immer genauer „aufs Geld schaute“, musste sich auch in der Datenverarbeitung das Rechnen rechnen. Für Ermer war klar, dass die HZD im immer umfassender werdenden IT-Sektor nur überleben kann, wenn sie marktgerechte Leistungen und Produkte anbietet. Sie musste sich im Markt behaupten und durfte nicht auf staatliche Alimentierung schielen. Diese Entwicklung wurde unter seiner Führung in der Zeit von 1990 bis 1999 konsequent und letztlich erfolgreich vorangetrieben.

Zudem ging die HZD aufs Land. Nach einer längeren Vorbereitungszeit eröffnete man 1990 eine Außenstelle in Hünfeld, die 2001 ein eigenes Gebäude bezog. Es war nicht so sehr die Nähe zu dem hier lebenden Computerpionier Konrad Zuse, sondern eher die Nähe zum zentralen Mahngericht, das die HZD hier heimisch werden ließ. Von Hünfeld aus wird seit dieser Zeit die hessische Justizverwaltung bedient. Dass die Entscheidung für die dortige Außenstelle richtig war, belegt die fast unaufhörliche Aufwärtsentwicklung am Standort. Man kann die Entwicklung der HZD in Hünfeld durchaus auch als Erfolgsgeschichte bezeichnen.

Die Entwicklung dieser zehn Jahre ist insgesamt positiv zu bewerten. Natürlich mussten die HZDler erst einmal lernen, was es heißt, wenn die Nutzer zu Kunden werden. Nicht alle entsprechenden Veränderungen und Neuerungen fanden auf Anhieb Beifall. Doch die damalige Führung konnte im Verlauf der Jahre immer besser vermitteln, dass es sich lohnt, auf das angestrebte Ziel hinzuarbeiten. In zehn Jahren war aus der Behörde HZD das Unternehmen HZD geworden.

Das 1993 verabschiedete „ABC der HZD“ diente als Leitbild für die weitere Entwicklung. Es beschrieb die Ansprüche, die die HZD an sich selbst stellte. Vor allem in der Außenwirkung änderte sich vieles. Die Beziehung zu den Kunden in der Landesverwaltung war schon immer recht gut; jetzt wurde die Betreuung professioneller. Die Kundenzeitschrift „inform“ erlebte eine Auferstehung, Kundenbetreuer standen als ständige Ansprechpartner parat, die HZD lud zu Kundenseminaren ein und fragte die Zufriedenheit der Kunden ab. Mit der SAP-Einführung stellte man schließlich das Rechnungswesen auf moderne betriebswirtschaftliche Füße. Die Weiterentwicklung war auch in Zahlen abbildbar. Die Erlöse der HZD wuchsen von rund 59 Millionen 1989 auf 180 Millionen im Jahre 1999. Mit dem Jahrtausendwechsel beendete das Haus zehn erfolgreiche Jahre. Man hatte den Schritt vom Zuschussempfänger zum Dienstleister erfolgreich bewältigt.

Quelle: INFORM 3/2010

Schlaglichter 1990 – 1999

1990
HZD nimmt die Außenstelle Hünfeld in Betrieb.

1991
Offizielle Einweihung der Außenstelle in Hünfeld.

1992
Der Verein „Nesthäkchen“ wird gegründet.

1993
Das „ABC der HZD“ erscheint.

1994
Die HZD präsentiert ihr Dienstleistungskonzept.

1995
Die HZD feiert ihr 25jähriges Bestehen.

1996
Erstes DIN ISO 9001 Zertifikat für die HZD.

1997
Im Rechenzentrum hält eine neue Zentraleinheit der Firma Amdahl Einzug.

1998
SAP R/3 wird in der HZD eingeführt.

1999
Das neue Schulungsgebäude neben dem Haupthaus wird bezogen.