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Hin und Her – Wo rechnen wir?

Vieles im Leben verläuft nicht gleichmäßig, sondern in Wellen, manchmal so regelmäßig wie Tag und Nacht oder Sommer und Winter, manchmal unregelmäßig. Gute Zeiten und schlechte Zeiten. Auch in der wirtschaftlichen Entwicklung wurden solche Muster entdeckt, wie etwa die sog. Kondratjew-Zyklen mit recht langen Phasen von jeweils etwa 52 Jahren Dauer. In der IT scheint sich alles nur in eine Richtung zu entwickeln. Vor allem wird die Technik immer kleiner und immer schneller. Bei zumindest einem IT-Thema ist jedoch ein ständiges Hin und Her zu beobachten, nämlich bei der Frage, wo wir „rechnen“, wo also Rechenleistung erbracht wird. Die Schlagworte, die diese Bewegung kennzeichnen, sind „zentral“ und „dezentral“.

Großrechner und PCs, Server und Clients - mal „thin“, mal „fat“, Web- und native Anwendungen sind nur einige der technischen Entwicklungen, die dabei eine Rolle spielen. Und selbst „die Cloud“, die gleichsam als zentrales Nervensystem alles zu beherrschen schien, entwickelt logische und räumliche Zonen - die privat oder öffentlich und inzwischen sogar verteilt und „multi“ sind. Und immer dazwischen: das Netz. Die Verbindung der großen, zentralen Ressourcen mit den kleineren am Rand - auch sie hat sich verändert vom „Turnschuh-Netzwerk“, bei dem Datenträger von A nach B getragen wurden, über Kupfer- und Glasfaserkabel bis hin zu den Funknetzen verschiedener Bandbreiten und Geschwindigkeiten.

Was bewirkt diese Zyklen? Ein wichtiger Faktor sind sicher die Kosten für Technologien: Wenn Speicher und Rechenleistung günstig sind, fällt es leichter, diese dezentral in größeren Mengen bereitzustellen. Dann muss man evtl. mehr Daten zu und von den verteilten Rechnern transportieren, was wiederum die Frage nach Datendurchsatz und Übertragungsdauer aufwirft. Was heute als ausreichende Netz-„Größe“ erscheint, ist Morgen zu klein, denn mit der Verfügbarkeit von Leistung steigen die Ansprüche. Das Thema Video-Streaming und Bildqualität führt dies vor Augen: Je nach Auflösung fallen hier pro Stunde ca. 300 MB bei geringer Qualität, 3 GB für HD und 7 GB für UHD an. Und warum werden diese Mengen benötigt? Weil auch hier die Leistungsfähigkeit vor Ort - in diesem Fall die der Bildschirme - größer und günstiger ist als vor einigen Jahren.

Die Verteilung von Leistung und Transportvolumen spielt auch beim Internet der Dinge eine Rolle. Dabei darf man nicht an einzelne Fitness-Tracker oder ein paar Schaltsteckdosen im Smart-Home denken. So sind viele Datenquellen z. B. dann beteiligt, wenn vernetzte Autos miteinander kommunizieren sollen, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Wenn von den allein fast 50 Millionen PKW in Deutschland viele in den Ballungsräumen unterwegs sind, können zahllose Kommunikationsvorgänge anfallen. Der Umweg der Daten über eine zentrale Einheit irgendwo in der Cloud kann dabei kritisch werden. Die direkte Kommunikation zwischen „fahrenden Rechnerknoten“ (Stichwort „Car2Car“) kann dann wertvolle Zeit sparen und die Zahl der Kommunikationsbeziehungen reduzieren. Dieses Beispiel zeigt, dass Bandbreite, Datendurchsatz und die Frage, wo wir rechnen, nicht allein von der Unterhaltungs-IT bestimmt wird. Viele Faktoren können die Wechsel zwischen „zentral“ und „dezentral“ beeinflussen.

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